Eines, allerdings noch  sehr fernen Tages wird die Menschheit die Erde verlassen müssen, weil diese schlicht und einfach verbraucht sein wird. Die Fakten darüber sind längst bekannt, sie werden Realität werden und die Sinnfrage der bemannten Raumfahrt wird dann nicht mehr gestellt werden. Die Angelegenheit wird dann nämlich eine Frage des Überlebens der Gattung Mensch. So war die erste Mondlandung vor vier Dekaden die wohl beste Investition, die die Menschheit jemals getätigt hat. Wer die Zukunft aktiv gestaltet, braucht vor ihr auch keine Angst zu haben und kleinkarierte Spiessigkeit ist bei der Bewältigung entscheidender Zukunftsaufgaben ein ziemlich schlechter Lehrmeister. Wenn der Staat mehrstellige Milliardensummen für bankrotte Banken oder sinnlose Kriege aufzuwenden vermag, so wird man es kaum verstehen, dass für die Finanzierung von relativ preisgünstigen Weltraumprogrammen keine Geldmittel zur Verfügung stehen. Manche Kritiker der bemannten Raumfahrt haben sich inzwischen reichlich lächerlich gemacht, die Verschwörungstheoretiker eingeschlossen. Menschen brauchen Ideen und Visionen, Ziele und sogar Träume. Und was gibt es schöneres als diese Träume wahr werden zu lassen. Utopien sind etwas grossartiges und Life is a Moment in Space, gar keine Frage. Die erste Mondlandung, vielleicht schon Apollo 8 zu Weihnachten 1968, haben das Bild der Menschen von ihrem Heimat-Planeten grundsätzlich verändert, in politischer, aber auch in ökologischer Sicht. Manches muss man eben aus der Distanz betrachten, um es besser zu verstehen. Natürlich wird es immer wieder ideologische Betonköpfe geben und in sich gefangene Gerontokraten selbstverständlich auch. Man sollte sie nicht allzu ernst nehmen; gegen Bildungs- und Beratungsresistenz helfen vernünftige Argumente nur selten. Nur wer Ökologie als Teil der Ökonomie, Technologie als Teil der Natur betrachtet, der wird die Herausforderungen der Zukunft bestehen können. Die absurden Vorstellungen der Verlorenen Generation der 68er haben viel Unheil angerichtet; da ist bis heute viel zerstört worden, was nicht wieder gutzumachen ist. Wernher von Braun war Demokrat, kein Nazi, zu dem ihm diese verblendeten Irrläufer bis heute machen wollen. Man kann auch nicht unwidersprochen lassen, was ein Kolumnist einer grossen deutschen Boulevard-Zeitung vom deutsch-amerikanischen Raumfahrt-Pionier hätte verlangen wollen: Tapferkeit im Kampf gegen  die Nazis. Von Braun und seine Männer wären im KZ gelandet, hätten sie sich geweigert, Hitler die V2 zu bauen. Anders als die in die demokratische Kultur bereits hineingeborenen Raumfahrt-Techniker unserer Zeit (die sich sogar weigern müssen, dem Regime in Teheran Trägerraketen samt Atomsprengköpfen zu bauen) hatten sie in den alten Tagen  gar keine andere Wahl, als zu gehorchen. Das macht den Nationalsozialismus ja so gefährlich: Preussische Tugenden und die Förderung von Naturwissenschaft und Technologie, für sich allein genommen sehr positiv zu bewerten, wurden durch eine kriminelle Ideologie zu barbarischen Verbrechen missbraucht. Die erste Mondlandung war ein Produkt des kalten Krieges, dem ideologisch bedingten Weltlauf der Systeme, in dem sich schliesslich  Freiheit und  Demokratie gegen die finstere Diktatur des Kommunismus durchgesetzt haben. Die Herausforderung des 21. Jahrhunderts aber ist die globale Zusammenarbeit der Menschheit bei der Eroberung des Weltraums. Die Erde, vom Mond aus betrachtet, kennt keine nationalen Grenzen. Die Rückkehr zum Mond nach vier Dekaden bringt nach uns die Zukunft. 

Klaus Ewald

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Apollo 11 war mehr als Flagge hissen und Steine einsammeln. 40 Jahre Mondlandung im  > Spiegel der Presse

 

Literatur:

Jesco von Puttkamer
Abenteuer Apollo 11
Von der Mondlandung zur Erkundung des Mars
288 Seiten
Herbig Verlag
€ 24,95

 

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